Ein Millimeter Regen ist ein Liter Wasser auf einem Quadratmeter. Mit dieser einen Umrechnung wird das Gießen plötzlich rechenbar: Was der Wetterbericht als Niederschlag meldet und was die Sonne an Verdunstung wegnimmt, steht in derselben Einheit wie das, was in deine Gießkanne passt.
Wie viel Wasser verdunstet im Garten?
Pflanzen verlieren über ihre Blätter ständig Wasser, und der Boden darunter auch. Wie viel, hängt an Sonne, Temperatur, Wind und Luftfeuchte. Fachleute nennen das Ergebnis Verdunstung oder genauer Evapotranspiration und rechnen sie in Millimetern pro Tag.
Als grobe Orientierung für Deutschland:
| Wetter | Verdunstung pro Tag |
|---|---|
| kühler, trüber Frühlings- oder Herbsttag | etwa 1 Liter je m² |
| normaler Sommertag | 2 bis 3 Liter je m² |
| heißer, sonniger, windiger Tag | 4 bis 6 Liter je m² |
Über eine Woche summiert sich das schnell. Eine warme Sommerwoche ohne Regen nimmt einem Beet 20 bis 30 Liter je Quadratmeter weg. Genau diese Menge musst du ersetzen, nicht mehr und nicht weniger, abzüglich dessen, was als Regen tatsächlich angekommen ist.
Wie viel davon eine einzelne Pflanze braucht, hängt an ihrer Art. Eine Tomate in voller Frucht verdunstet mehr als Rasen, Lavendel und Thymian deutlich weniger.
Wie viel Wasser pro Quadratmeter beim Gießen?
Für Beete und Rasen hat sich eine Faustregel bewährt: lieber selten und durchdringend als oft und wenig. Ein- bis zweimal pro Woche 10 bis 20 Liter je Quadratmeter erreichen die tieferen Bodenschichten, und die Pflanzen bilden dort ihre Wurzeln. Wer jeden Abend nur die Oberfläche anfeuchtet, erzieht Flachwurzler, die beim ersten heißen Tag schlappmachen.
Mehr als etwa 25 Liter je Quadratmeter auf einmal bringen im Beet nichts. Das Wasser läuft dann an den Wurzeln vorbei in die Tiefe oder fließt oberflächlich ab. Wenn der Boden sehr trocken ist, gieße lieber in zwei Durchgängen mit einer Viertelstunde Pause, dann kann die Erde das Wasser aufnehmen.
Um die Menge abzuschätzen, hilft ein einfacher Trick: Stelle ein leeres, gerades Glas oder einen Regenmesser ins Beet, während der Sprenger läuft. Ein Zentimeter Wasser im Glas entspricht 10 Litern je Quadratmeter.
Kübelpflanzen: weniger Erde, mehr Durst
Im Kübel gelten andere Zahlen. Der Wurzelraum ist klein, der Speicher schnell leer, und die Pflanze verdunstet über ihre ganze Krone, nicht nur über die Fläche des Topfes. Ein paar Anhaltswerte für den Hochsommer:
- Tomate im 15-Liter-Topf: etwa 1,5 Liter am Tag
- Zitrone im 50-Liter-Kübel: 2 bis 3 Liter am Tag
- Engelstrompete: an heißen Tagen auch zweimal täglich
Bei Kübeln gilt deshalb nicht die Wochenregel. Gieße, bis Wasser unten aus dem Abzugsloch kommt, und erst wieder, wenn die oberen zwei bis drei Zentimeter Erde trocken sind. Stehendes Wasser im Untersetzer gehört nach einer halben Stunde ausgeleert. Die einzige bekannte Ausnahme ist der Oleander, der im Sommer gern nasse Füße hat. Im Winter dreht sich das um: Dann bekommen Kübelpflanzen nur noch so viel, dass der Ballen nicht austrocknet, mehr dazu unter Kübelpflanzen einräumen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Wann am Tag gießen?
Am frühen Morgen. Der Boden ist kühl, es verdunstet wenig, und die Blätter trocknen im Lauf des Vormittags ab. Abends zu gießen ist die zweitbeste Lösung. Das Wasser hat zwar die Nacht Zeit zum Einsickern, aber nasses Laub über Nacht fördert Pilzkrankheiten, bei Tomaten etwa die Kraut- und Braunfäule. Und abends locken feuchte Beete Schnecken an.
Unabhängig von der Uhrzeit gilt: Gieße an die Wurzeln, nicht über die Blätter.
Woran du merkst, dass gegossen werden muss
Der Kalender ist ein schlechter Ratgeber, weil er nichts von der vergangenen Woche weiß. Zuverlässiger sind diese Zeichen:
- Die Fingerprobe. Steck einen Finger fünf Zentimeter tief in die Erde. Ist sie dort trocken, ist Gießen dran.
- Die Regenbilanz. Wie viel hat es in den letzten Tagen wirklich geregnet? Ein Gewitter mit 15 Millimetern zählt, ein Nieselregen mit 1 Millimeter kaum, er verdunstet, bevor er die Wurzeln erreicht.
- Die Pflanze selbst. Hängende Blätter am Abend nach einem heißen Tag sind oft nur Hitzeschutz. Hängen sie am Morgen noch, ist es höchste Zeit.
Häufige Fragen
Wie viel Liter Wasser braucht ein Beet pro Quadratmeter?
Im Sommer etwa so viel, wie verdunstet: an normalen Tagen 2 bis 3 Liter je Quadratmeter, an heißen 4 bis 6. Gieße das nicht täglich, sondern ein- bis zweimal pro Woche mit 10 bis 20 Litern je Quadratmeter auf einmal. Regen, der in der Zwischenzeit gefallen ist, ziehst du ab: Ein Millimeter Niederschlag entspricht einem Liter je Quadratmeter.
Ist es besser, morgens oder abends zu gießen?
Morgens. Dann verdunstet am wenigsten, und die Blätter trocknen tagsüber ab, was Pilzkrankheiten vorbeugt. Abendliches Gießen ist die zweitbeste Wahl, wenn morgens keine Zeit ist. Dann aber nur an die Wurzeln und nicht über das Laub. In der Mittagshitze zu gießen schadet den Pflanzen meist nicht, verschenkt aber viel Wasser an die Verdunstung.
Wie oft muss man bei Hitze gießen?
Beete und Rasen bei Hitze zwei- bis dreimal pro Woche durchdringend, statt täglich ein wenig. Kübelpflanzen brauchen bei über 30 Grad oft täglich Wasser, große Kübel mit durstigen Pflanzen wie Engelstrompete oder Tomate manchmal zweimal. Frisch gesetzte Pflanzen haben noch keine tiefen Wurzeln und brauchen in den ersten Wochen ebenfalls häufiger Wasser.
Reicht Regen zum Gießen aus?
Kommt darauf an, wie viel ankommt. Ein kurzer Schauer mit 2 Millimetern benetzt nur die Oberfläche. Unter dichten Bäumen und unter dem Dachüberstand kommt fast nichts an. Ein Landregen mit 10 bis 15 Millimetern ersetzt dagegen eine komplette Gießrunde. Wie gut Regen im Garten wirkt, hängt auch am Boden: Sand lässt ihn schnell durch, Lehm hält ihn lange.
Gibt es eine App, die mir sagt, wann ich gießen muss?
Climaletic führt für jede eingetragene Pflanze eine Wasserbilanz: Verdunstung an deinem Ort, Speicher von Boden oder Topf und der Regen, der dort wirklich ankommt. Die App sagt dir, wann gegossen werden muss und wie viel, und lernt an deinen Gießeinträgen dazu. Sie ist kostenlos und läuft im Browser. Wann es nachts für deine Pflanzen kritisch wird, steht im Artikel Bodenfrost: Warum es im Garten früher friert als im Wetterbericht.