Der Wetterbericht hat für die Nacht plus 2 Grad gemeldet, und am Morgen ist der Rasen weiß und die Dahlien sind schwarz. Gelogen hat die Vorhersage nicht. Sie hat nur über eine andere Höhe gesprochen als die, in der deine Pflanzen stehen.
Was ist Bodenfrost?
Bodenfrost liegt vor, wenn die Lufttemperatur fünf Zentimeter über dem Erdboden unter 0 °C sinkt. Von Luftfrost spricht man erst, wenn es auch in zwei Metern Höhe friert. Die Wetterdienste messen die Lufttemperatur in genau diesen zwei Metern, und auch die Vorhersagen in jeder Wetter-App beziehen sich darauf.
Zwischen beiden Höhen kann in manchen Nächten ein erheblicher Unterschied liegen. Bodenfrost bei plus 2 oder 3 Grad in Augenhöhe ist im Frühjahr und Herbst keine Seltenheit, und genau dann trifft es die Pflanzen, die am Boden wachsen oder frisch gesetzt sind.
Wie entsteht Bodenfrost?
Nachts gibt der Boden die am Tag gespeicherte Wärme als Strahlung nach oben ab. Ob sie verloren geht, hängt vor allem an zwei Dingen.
Wolken wirken wie eine Decke. Sie fangen einen Teil der abgestrahlten Wärme auf und schicken ihn zurück. Unter einer geschlossenen Wolkendecke kühlt der Boden deshalb kaum stärker aus als die Luft darüber. Bei sternklarem Himmel dagegen entweicht die Wärme ungehindert ins All, und die Erdoberfläche wird zur kältesten Stelle weit und breit.
Wind mischt die Luft. Die kalte Schicht direkt über dem Boden wird ständig mit wärmerer Luft von oben verrührt und kann sich nicht ausbilden. Erst wenn es windstill ist, bleibt die kalte, schwere Luft unten liegen.
Daraus folgt die typische Bodenfrostnacht: klar, windstill, trocken. Oft folgt sie auf einen sonnigen Herbst- oder Frühlingstag, an dem niemand an Frost gedacht hat.
Senken und Mulden trifft es zuerst
Kalte Luft ist schwerer als warme und fließt wie Wasser bergab. In Tälern, Senken und am Fuß eines Hanges sammelt sie sich, während der Hang darüber vergleichsweise mild bleibt. Ein Garten in einer Mulde oder hinter einer dichten Hecke, an der die kalte Luft hängen bleibt, hat deshalb oft mehr Frostnächte als der Nachbargarten zwanzig Meter höher.
Auch der Untergrund spielt mit. Lockerer, trockener Boden und frisch gemulchte Beete leiten die Wärme aus der Tiefe schlecht nach oben und frieren an der Oberfläche schneller. Feuchter, festerer Boden gibt mehr Wärme nach. Ein Kübel auf der Terrasse hat gar keinen Wärmespeicher unter sich und kühlt von allen Seiten aus, dazu mehr im Artikel Kübelpflanzen einräumen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Wie viel kälter ist es am Boden?
Eine feste Zahl gibt es nicht, und genau das ist der Punkt. In einer trüben, windigen Nacht unterscheiden sich Boden und Augenhöhe kaum. In einer klaren, windstillen Nacht können es mehrere Grad sein.
Climaletic rechnet deshalb für jede Nacht neu, und zwar aus Bewölkung und Wind der drei kältesten Stunden. In der ungünstigsten Nacht schlägt die App am Boden gut anderthalb Grad auf die Vorhersage auf, für einen frei stehenden Topf gut drei. Unter dichten Wolken bei frischem Wind bleiben davon nur ein paar Zehntel. Einen kleinen Sockel behält die Rechnung immer, denn eine erfrorene Pflanze ist der teurere Fehler als eine Warnung zu viel.
Wann ist Bodenfrost gefährlich?
Im Hochwinter kaum, dann ruhen die Pflanzen, und was draußen steht, ist winterhart. Kritisch sind die Übergangszeiten:
- Im Frühjahr, wenn Obstbäume blühen, Kartoffeln austreiben und die ersten Tomaten ausgepflanzt sind. Blüten erfrieren schon bei wenigen Minusgraden, junge Triebe ebenso.
- Im Herbst, wenn Dahlien, Kürbisse, Bohnen und Kübelpflanzen noch draußen stehen und die Nächte länger werden.
Die alte Gärtnerregel, frostempfindliches Gemüse erst nach den Eisheiligen Mitte Mai auszupflanzen, ist im Kern eine Bodenfrostregel: Bis dahin sind klare, kalte Nächte auch nach warmen Tagen noch häufig.
So schützt du Pflanzen vor Bodenfrost
- Abdecken. Ein Gartenvlies oder eine alte Decke über Beet und Jungpflanzen hält die abgestrahlte Wärme zurück. Wichtig ist, dass die Abdeckung bis zum Boden reicht, sonst fließt die kalte Luft darunter.
- Am Abend gießen. Feuchter Boden speichert und leitet Wärme besser als trockener. Das hilft vor allem bei leichtem Frost.
- Töpfe zusammenrücken und an die Hauswand stellen. Die Wand gibt nachts Wärme ab, und die Töpfe schützen sich gegenseitig.
- Nicht in die Senke pflanzen. Wer die Wahl hat, setzt frostempfindliche Pflanzen an den Hang oder auf einen leicht erhöhten Platz.
- Morgens Geduld haben. Gefrorene Pflanzen nicht anfassen und nicht in die pralle Morgensonne stellen. Langsames Auftauen schont das Gewebe.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Bodenfrost und Luftfrost?
Bodenfrost wird fünf Zentimeter über dem Boden gemessen, Luftfrost in zwei Metern Höhe. Weil kalte Luft nachts am Boden liegen bleibt, tritt Bodenfrost viel häufiger auf. Es kann am Boden frieren, während die Temperatur in Augenhöhe noch einige Grad über null liegt. Die Werte im Wetterbericht beziehen sich immer auf die zwei Meter, also auf den Luftfrost.
Kann es bei 3 Grad plus Bodenfrost geben?
Ja. In klaren, windstillen Nächten kühlt der Boden durch Abstrahlung so stark aus, dass es knapp über der Oberfläche friert, obwohl in zwei Metern Höhe noch 2 oder 3 Grad gemessen werden. Reif auf dem Rasen oder auf Autodächern bei positiven Temperaturen ist genau das. Unter Wolken und bei Wind passiert es dagegen kaum.
In welchen Nächten droht Bodenfrost?
In Nächten mit klarem Himmel, wenig Wind und trockener Luft, besonders nach einem sonnigen Tag und in den langen Nächten von Herbst und Frühjahr. Gärten in Senken, Tälern und hinter dichten Hecken sind stärker betroffen. Ein Blick auf die Bewölkung und den Wind der Nacht sagt deshalb mehr über die Frostgefahr als die Tiefsttemperatur allein.
Welche Pflanzen sind durch Bodenfrost gefährdet?
Alles, was niedrig wächst, frisch gepflanzt ist oder gerade blüht: Jungpflanzen von Tomate, Gurke, Zucchini und Bohne, Kartoffeltriebe, Dahlien, Erdbeerblüten und Obstblüten. Kübelpflanzen sind zusätzlich gefährdet, weil der Topf von allen Seiten auskühlt. Winterharte Stauden und Gehölze in Winterruhe macht Bodenfrost dagegen nichts aus.
Wie erfahre ich rechtzeitig von Bodenfrost?
Die meisten Wetter-Apps zeigen nur die Temperatur in zwei Metern Höhe. Climaletic rechnet für jede eingetragene Pflanze aus, wie kalt es an ihrem Standort wird, am Boden oder im Topf, und vergleicht das mit ihrer Frostgrenze. Droht eine kritische Nacht, warnt die App bis zu fünf Tage vorher und auf Wunsch per Nachricht aufs Handy. Mehr zur Pflanzenpflege steht unter Garten gießen: Wie viel Wasser brauchen Pflanzen wirklich?