Die Forsythie fragt nicht, ob schon 21. März ist. Sie blüht, wenn es warm genug war, mal Anfang März, mal Mitte April. Genau das macht sie für Gärtner wertvoller als jedes Datum, und genau darauf baut der phänologische Kalender auf.
Was ist der phänologische Kalender?
Die Phänologie beobachtet, wann in der Natur wiederkehrende Ereignisse eintreten: wann die Hasel stäubt, wann der Apfel blüht, wann die Eiche ihr Laub verliert. Der phänologische Kalender fasst diese Beobachtungen zu zehn Jahreszeiten zusammen. Jede beginnt mit einer bestimmten Phase einer Zeigerpflanze, die überall in Deutschland verbreitet und leicht zu erkennen ist.
Der Deutsche Wetterdienst sammelt dafür seit Jahrzehnten Meldungen von ehrenamtlichen Beobachtern im ganzen Land. Daraus entsteht die phänologische Uhr, die zeigt, wann welche Jahreszeit im Mittel beginnt und wie lange sie dauert.
Die zehn Jahreszeiten und ihre Zeigerpflanzen
| Jahreszeit | Beginnt etwa | Woran du sie erkennst |
|---|---|---|
| Vorfrühling | Mitte bis Ende Februar | Die Hasel blüht, Schneeglöckchen und Krokusse kommen heraus |
| Erstfrühling | Ende März | Die Forsythie blüht gelb an noch kahlen Zweigen |
| Vollfrühling | Ende April | Apfelbäume und Flieder blühen |
| Frühsommer | Ende Mai | Der Schwarze Holunder blüht mit weißen Blütentellern |
| Hochsommer | Ende Juni | Die Linden blühen, die ersten Johannisbeeren sind reif |
| Spätsommer | Ende Juli | Die ersten frühen Äpfel sind reif, das Heidekraut blüht |
| Frühherbst | Ende August | Schwarze Holunderbeeren hängen reif an den Sträuchern |
| Vollherbst | Ende September | Eicheln und Kastanien fallen, das Laub wird bunt |
| Spätherbst | Ende Oktober | Die Stiel-Eiche verfärbt ihr Laub |
| Winter | Mitte November | Die Stiel-Eiche wirft ihr Laub ab, Vegetationsruhe |
Die Termine sind Mittelwerte. In einem warmen Jahr kann der Erstfrühling zwei Wochen früher kommen, in einem kalten zwei Wochen später, und im Rheintal beginnt er früher als im Erzgebirge. Deshalb lohnt der Blick aus dem Fenster mehr als der Blick auf die Tabelle.
Was ist im Garten wann dran?
Der praktische Wert des Kalenders liegt darin, dass er Gartenarbeiten an echte Bedingungen knüpft statt an Daten.
Vorfrühling. Der Boden wird langsam wärmer. Zeit für den Obstbaumschnitt, solange noch nichts austreibt.
Erstfrühling. Jetzt kann draußen ausgesät werden, Möhren, Radieschen, Erbsen und Spinat vertragen die kühlen Nächte. Rosen werden geschnitten, und der Rasen bekommt die erste Düngung. Wann das Wetter dafür passt, steht im Artikel Rasen düngen: Bei welchem Wetter und wann im Jahr?
Vollfrühling. Späte Fröste sind noch möglich, gerade in klaren Nächten. Was keinen Frost verträgt, wartet bis nach den Eisheiligen Mitte Mai.
Frühsommer. Die Holunderblüte ist das Zeichen für Tomate, Gurke, Zucchini und Basilikum: Jetzt dürfen sie hinaus.
Hochsommer. Die Zeit der höchsten Verdunstung. Früh am Morgen und durchdringend gießen, mehr dazu unter Garten gießen: Wie viel Wasser brauchen Pflanzen wirklich?
Spätsommer und Frühherbst. Die Ernte läuft. Letzte Gelegenheit, Feldsalat und Wintersalate zu säen, und Zeit, Blumenzwiebeln zu setzen.
Vollherbst. Die Kübelpflanzen kommen ins Winterquartier, bevor die erste Frostnacht kommt. Wann genau, erklärt der Artikel Kübelpflanzen einräumen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Spätherbst und Winter. Gehölze pflanzen, solange der Boden offen ist. An frostfreien Tagen den Winterschutz prüfen.
Wie der Klimawandel die Jahreszeiten verschiebt
Der phänologische Kalender ist auch ein Klimaarchiv. Vergleicht man die Zeiträume 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020, hat sich der Beginn des Vorfrühlings in Deutschland vom 3. März auf den 14. Februar vorverlegt, also um mehr als zwei Wochen. Der phänologische Winter ist im selben Vergleich von 120 auf 101 Tage geschrumpft. Herbst und Winter beginnen dagegen nur wenig später als früher.
Für den Garten bedeutet das vor allem eines: Ein früher Austrieb ist nicht dasselbe wie ein Ende der Fröste. Wenn Obstbäume zwei Wochen früher blühen, liegt die Blüte öfter in einer Zeit, in der klare Frostnächte noch häufig sind.
Die Grünlandtemperatursumme: der Frühling als Zahl
Für die Frage, wann das Wachstum im Frühjahr wirklich beginnt, gibt es neben der Beobachtung auch eine Rechnung. Die Grünlandtemperatursumme addiert ab dem 1. Januar alle positiven Tagesmitteltemperaturen. Die Werte im Januar zählen dabei nur zur Hälfte, die im Februar zu drei Vierteln, ab März voll. Erreicht die Summe 200 Grad, gilt der nachhaltige Vegetationsbeginn als erreicht. Landwirte nehmen sie als Startsignal für die erste Düngung auf dem Grünland.
Die Zahl ist ein Richtwert und kein Gesetz: Je nach Boden und Lage beginnt das Wachstum zwischen etwa 190 und 290 Grad. Zusammen mit der Forsythienblüte ergibt sie aber ein ziemlich sicheres Bild davon, ob der Frühling schon trägt.
Häufige Fragen
Was sind die 10 phänologischen Jahreszeiten?
Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter. Jede beginnt mit einer bestimmten Phase einer Zeigerpflanze, etwa der Haselblüte im Vorfrühling, der Holunderblüte im Frühsommer oder dem Laubfall der Stiel-Eiche im Winter. Die Termine verschieben sich von Jahr zu Jahr und von Ort zu Ort mit dem tatsächlichen Wetter.
Welche Pflanze zeigt den Beginn des Frühlings an?
Der Vorfrühling beginnt mit der Blüte der Hasel, oft schon im Februar. Den Erstfrühling zeigt die Forsythie an, deren gelbe Blüten an noch kahlen Zweigen in fast jedem Vorgarten zu sehen sind. Der Vollfrühling beginnt mit der Apfelblüte. Für Gärtner ist die Forsythie das wichtigste Zeichen: Wenn sie blüht, ist der Boden warm genug für die ersten Aussaaten und die Rasendüngung.
Warum ist der phänologische Kalender für Gärtner nützlich?
Weil Pflanzen auf das tatsächliche Wetter reagieren und nicht auf das Datum. Ein fester Termin wie „Ende März Rasen düngen“ liegt in einem kalten Jahr zu früh und in einem warmen zu spät. Die Forsythienblüte dagegen passt in jedem Jahr. Wer seine Gartenarbeit an den Zeigerpflanzen ausrichtet, arbeitet mit dem Jahr, wie es wirklich ist.
Wann beginnt der phänologische Frühling 2027?
Das lässt sich erst sagen, wenn es so weit ist, denn der Beginn hängt am Wetter des Winters. Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 blühte die Hasel in Deutschland um den 14. Februar, in milden Wintern deutlich früher, in kalten erst im März. Die Meldungen des Deutschen Wetterdienstes und der Blick in die eigene Umgebung zeigen den tatsächlichen Beginn.
Wie finde ich heraus, in welcher Jahreszeit mein Garten gerade ist?
Am einfachsten mit einem Blick auf die Zeigerpflanzen in deiner Umgebung. Climaletic zeigt das Gartenjahr für deinen Ort: Die App schätzt die Jahreszeiten aus dem Wetter der letzten Wochen, übernimmt die Meldungen der Beobachter des Deutschen Wetterdienstes aus deiner Nähe und rechnet die Grünlandtemperatursumme mit. Dazu sagt sie, was in der jeweiligen Jahreszeit im Garten dran ist.